ÜBER DEN TELLERRAND

Was wäre anders, wenn ich ein Mann wäre…

6. Juli 2015

Was wäre anders, wenn ich ein Mann wäre? Dieses Blogstöckchen wurde mir von der lieben Monika von Mo Beads zugeworfen und seitdem geht mir diese Frage nicht mehr aus dem Kopf. Heute versuche ich mich endlich mal an einer Antwort.

Was wäre anders in deinem Leben, in deinem Alltag, wenn du ein Mann wärst?

Wenn ich ein Mann wäre, dann hätte ich mir sehr wahrscheinlich heute nicht die Nägel lackiert. Stattdessen hätte ich mich wahrscheinlich rasiert, weil auch wenns grad in ist, ich hätte keinen Vollbart. Auf gar keinen Fall. Das Wochenende hätte ich unter anderem damit verbracht, in meiner tip top ausgestatteten Werkstatt im Keller irgendwas zu bauen. Könnte ich als Frau natürlich auch, aber ich gestehe, an richtig schweres Werkzeug trau ich mich allein nicht ran. Als Mann würde es mir auch bestimmt wesentlich leichter fallen, die Wohnung umzuräumen – so rein kraftmäßig. Aber das würde ich als Mann vielleicht gar nicht so oft machen wollen. Wie doof. Ich würd übrigens Florian heißen, wenn ich ein Mann wär. Damit könnte ich ganz gut leben. Meine Kindheit wäre nicht groß anderes gewesen. Meine Oma hat nicht umsonst gesagt, ich wäre mal besser ein Junge geworden. Oder hätte ich als Junge vielleicht mit Barbies gespielt? Nee, ich glaub, die Playmobil Ritterburg, Carrera Bahn und auf Bäumen rumturnen wären so oder so eher meins gewesen.

Was tust du nur deshalb, weil du eine Frau bist?

Zu viel denken. Besonders über Gesagtes und nicht Gesagtes und wie man das Gesagte und nicht Gesagte interpretieren kann. Wie viele Stunden habe ich damit verbracht, mit meiner besten Freundin über irgendwelche Aussagen (meistens von Männern) zu philosophieren? Da kommen Monate, wenn nicht Jahre zusammen. Seitdem wir beide in längeren und stabileren Beziehungen sind, sind solche Gespräche zwar seltener geworden, kommen aber immer noch vor. Und das, obwohl wir mittlerweile wissen, dass es meistens gar nicht so viel zu interpretieren gibt. Die meisten Kerle meinen, einfach, was sie sagen.

Zu viel Drama. Eigentlich nur vor, nach und während den Tagen, aber der Mann sagt, das wäre zu viel 😉 Damit verbunden ist auch ein ungesund hoher Schokoladenkonsum. Aber mit diesem Hormongedöns gehts halt nicht anders. Da brauch ich manchmal Drama und da brauch ich Schokolade. Und das definitiv nur, weil ich ne Frau bin.

Was tust du nicht / welche Dinge lässt du lieber, weil du eine Frau bist?

Nicht viel. Durch jahrelanges alleine wohnen in Kombination mit „wenn ich was will, dann sofort“ hab ich mir angewöhnt, Dinge einfach zu machen. Dann muss ich auch die schweren Getränkekisten allein nach Hause schleppen. Und wenn ich die Wohnung umräumen will, dann schieb ich auch den Kleiderschrank allein von A nach B und häng meine Lampen selbst auf (einzige Ausnahme: vom Starkstrom muss ich die Finger lassen – sagt der Vatter). Mittlerweile hab ich nen Mann im Haus und ich lass mir die Getränke allerdings gerne auch mal tragen. Schränke rück ich meistens immer noch allein.

Durch welches Klischee fühlst du dich persönlich beeinträchtigt?

Durch gar keins. Sollen die doch denken, dass ich nicht einparken kann. Ist mir doch egal. Und sorry, aber ich kenne einige Frauen, die ihr Auto besser stehen lassen würden. Dass Frauen bei gleicher Arbeit weniger verdienen als Männer finde ich unmöglich, aber das ist ja leider kein Klischee, sondern einfach Fakt.

Blogstoeckchen-Mann-Miss-Konfetti-6

 

Erzähle von einer Situation, in der du bemerkt hast, dass es von Vorteil ist, zur Gruppe der Frauen zu gehören.

Wir hatten früher in der Schule so einen doofen Schlägertypen. Der hätte mir fast meine Abschiedsfeier vor dem Umzug in eine andere Stadt versaut, weil er einen der Gäste verkloppen wollte. Ich habe ihm ne ziemliche Standpauke gehalten und ziemlich lange auf ihn eingequatscht, bis es ihm zu doof wurde und er gegangen ist. Als Kerl hätte ich mit großer Wahrscheinlichkeit auch eins auf die Nase bekommen. Wobei ich mich heutzutage nicht mehr darauf verlassen würde, dass ich als Frau nicht von nem Mann geschlagen werde.

Gibt es Situationen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt?

Zum Glück gibt es mittlerweile eine ganze Menge solcher Situationen. In der Liebe und in der Freundschaft spielt es keine Rolle. Auch wenn das noch nicht in allen Köpfen angekommen sind, so sind wir auf nem ganz guten Weg. Und auch im Beruf, aber auch im Privatleben geht es immer mehr in die Richtung, dass es das Geschlecht nicht mehr so entscheidend ist. Und spätestens am Ende des Lebens ist es komplett egal, welches Geschlecht man hat. Obwohl… da kann es über ein paar Jahre mehr oder weniger entscheiden, so rein statistisch gesehen.

Mit dem Gender Diskurs hab ich mich in der Uni schon mehrfach beschäftigt, aber ich fand es total interessant, das Ganze mal aus meiner persönlichen und subjektiven Sicht zu betrachten. Deswegen werfe ich dieses Blogstöckchen auch gerne weiter. Ihr Lieben, ihr dürft das Stöckchen gerne an euch vorbeifliegen lassen, wenn ihr keine Lust habt. Ansonsten fangt es auf und erzählt uns, #wasanderswäre:

Lea von Rosy & Grey

Laura von Herz an Hirn

Ulli von Purplemint

Anne von Neontrauma

Katrin von Soulsister meets Friends

Sunray von The organized Cardigan

Das Blogstöckchen wurde übrigens hier ins Leben gerufen. Dort findet ihr auch die Beiträge vieler anderer Teilnehmer verlinkt. Ich fand die Antworten sehr spannend zu lesen.

Liebste Grüße Andrea

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3 tolle Kommentare

  • Reply Lexa 6. Juli 2015 at 12:38

    Wirklich ein interessanter Gedanke. Ich glaube, es würde sich viel mehr verändern, als man sich vorstellen kann… aber ich werde mal verfolgen, was andere so antworten.

  • Reply Katrin / soulsister meets friends 9. Juli 2015 at 8:42

    liebe Andrea,
    was für ein spannendes Thema – da bin ich richtig gern dabei. Da fängt man ja sofort an, zu überlegen, was anders wär‘ … sehr cool. Es kann ein bisschen dauern, bis ich die Antworten geschrieben habe, weil auf meinem Schreibtisch richtig viel Arbeit liegt. Auch schön! Also sei bitte ein bisschen geduldig mit mir, ja?

    Witzig, bei wie vielen deiner Antworten ich mich wieder erkenne: ich will es SOFORT, Strom (ist nicht so mein Freund), Bäume klettern … ach, wir sollten doch echt mal einen Kaffee zusammen trinken.

    herzlichst Katrin

    • Reply Andrea 9. Juli 2015 at 14:05

      Wie schön, dass du dabei bist. Und ja, das mit dem Kaffee wird wirklich mal Zeit 😉

    Yeah, ein Kommentar. Ich freu mich.