ORGANISIEREN

Wie werd ich eigentlich diesen Perfektionismus los?

19. Oktober 2015
Tipps gegen Perfektionismus

In so ziemlich jedem meiner letzten Beiträge, in denen es um Zeitmanagement, Planung, Prokrastination oder ähnliches ging, bin ich auf den Tipp gestoßen, nicht mehr so perfektionistisch zu sein. Klingt auch total einleuchtend. Nur wie mach ich das überhaupt? An der Umsetzung bin ich bislang meistens gescheitert. Deswegen hab ich mir mal überlegt, wie ich das jetzt auch mal praktisch hinbekommen kann. Schon mal vorweg: das Ergebnis ist sicherlich nicht komplett. Aber irgendwo muss man ja mal anfangen – auch ohne direkt 100% 😉

Was spricht gegen Perfektionismus?

Ich glaube, das ist zwangsläufig der erste Schritt um aus der Perfektionismusfalle rauszukommen. Erstmal erkennen, was daran überhaupt so problematisch ist. Meistens ist es nämlich der Perfektionismus, der uns daran hindert, überhaupt mit irgendwas anzufangen. Und dann ist das Ergebnis nicht nur 80%, sondern 0%. Besonders in Phasen, in denen man sehr viel um die Ohren hat, geht es ums machen. Wenn ich da jedesmal warte, bis ich Zeit habe, etwas zu 100% zu erledigen, dann mach ich gar nix mehr. Und das wäre in einer akuten Stressphase nicht sehr förderlich.

Außerdem kosten die letzten 20% sehr viel mehr Aufwand, als die ersten 80%. Vom Pareto-Prinzip haben bestimmt die meisten schon mal gehört, aber das sollte man sich wirklich verinnerlichen. Mit nur 20% Aufwand erhält man 80% des Ergebnisses. Das ist ne ganze Menge. Dagegen benötigt man für die restlichen 20% Ergebnis ganze 80% Aufwand. Das ist eine erdenklich schlechte Kosten-Nutzen-Rechnung. Und mal ehrlich, 80% reichen in den meisten Fällen wirklich aus – sofern man nicht am offenen Herzen operiert oder ähnliches 😉

Wege aus dem Perfektionismus

Wenn man sich diese Regel mal bewusst gemacht hat, dann kann man versuchen, danach zu handeln. Mir fällt das teilweise immer noch sehr schwer, aber ich übe fleißig weiter. Was heißt das konkret?

1. Ich versuche, mir die letzten 20% einer Aufgabe überhaupt erstmal bewusst zu machen. Und dann zu streichen.

Ein paar Beispiele:

  • Ich möchte den Dachboden entrümpeln. Am Ende soll alles schön ordentlich in einheitlichen Kisten verpackt und beschriftet sein und ganz übersichtlich auf Regalen stehen. Meine 80% Lösung: ich entrümpel und räum auf. So, dass man wieder überall dran kommt. Das ist nicht schön und für Feng-Shui Menschen bestimmt auch aus irgendwelchen Gründen suboptimal, aber diese 80% Ordnung reichen mir da oben erstmal. Wenn ich irgendwann mal ganz viel Zeit und Langeweile hab, dann kann ich mich um die restlichen 20% kümmern.
  • Ich schreib an meiner Masterarbeit. Ich hab drölfzig Bücher zum Thema gelesen und bearbeitet. Es gibt aber bestimmt noch weitere drölfzig Bücher zum Thema. Meine bisher verwendete Literatur würde ich jetzt mal grob auf die 80% schätzen. Mehr gibts halt dann nicht.

Sich auf 80% zu beschränken, heißt nicht, faul zu sein und zu schludern. Ich sag nicht nach vier Büchern, ach das passt schon um zu bestehen (kann man natürlich auch machen). Ich will in meiner Arbeit natürlich trotzdem ne gute Note.

Noch einfacher, meine Masterarbeit muss zwischen 80 und 100 Seiten umfassen. Ratet mal, auf welches Ergebnis ich so grob hinarbeite 😉

Tipps gegen Perfektionismus

2. Was mir noch hilft, ist zu überlegen, was ich mit der gesparten Zeit alles anfangen kann. Immerhin bleiben 80% der normalerweise benötigten Zeit übrig. Das ist ne ganze Menge Zeit, in der man viele schöne Dinge anstellen kann.

3. Ich überlege mir die Auswirkungen, wenn es nicht perfekt ist. Und die sind meistens gar nicht sonderlich schlimm. Dann ist der Dachboden halt nicht besuchstauglich. Dann hab ich vielleicht in der Masterarbeit nur ne 1,irgendwas, statt ner 1,0. Oder so. Das ist meistens alles gar nicht so dramatisch.

4. Ich frag mich auch manchmal, ob das außer mir noch jemand so sehen wird. Ich hab schon Hausarbeiten in der Uni geschrieben, wo ich ganz bewusst nach (gefühlten) 80% aufgehört habe und hatte trotzdem ne 1,0. Hier hätte mir weiterer Aufwand einfach gar nichts mehr gebracht. Blöd, dass man das vorher nicht so genau weiß, aber so ein bisschen kann man seine eigenen Fähigkeiten ja dann doch einschätzen. Und wenn bei einer Frisur z.B. nachher eine Mini-Strähne nicht ganz richtig liegt, dann fällt das außer mir selbst garantiert niemandem auf.

5. Ich bin ehrlich zu mir und gesteh mir ein, dass ich ansonsten einfach gar nicht anfangen würde. „Done is better than perfect“ trifft auf jeden Fall zu.

Auch das sind leider alles sehr theoretische Tipps. Aber wenn man sich das schon mal klar gemacht hat, dann muss man einfach versuchen, danach zu handeln.

In welchen Bereichen steht euch euer Perfektionismus oft im Weg? Habt ihr irgendwelche Tipps dagegen?

Liebste Grüße Andrea

 

Das könnte dir auch gefallen

6 tolle Kommentare

  • Reply Danny 19. Oktober 2015 at 11:24

    Hi Andrea,

    ich hatte dir die Tage ja schonmal ne Mail geschrieben zum Thema Organisation am Arbeitsplatz. Danke auch für deine Antwort!
    Das mit den 100% ist auch einer meiner größten Hemmschuhe. Vor allem dieser Gedanke: „wenn ichs eh nicht zu 100% schaffe, dann brauch ich gar nicht anfangen“ 🙁 saudoof.

    Viel Zeit frisst auch die ständige mehrmalige Selbstkontrolle. Ich muss versuchen Fehler zuzulassen.

    Naja ist alles irgendwie ein Prozess 🙂

    Alles Liebe
    Danny

  • Reply Katja 19. Oktober 2015 at 14:21

    Aaaaaargh, mein Perfektionismus und ich – wir sind leider sehr, sehr gute Freunde!

    Aber ich arbeite auch daran! Und es geht voran. In kleinen Schritten.
    Und in manchen Fällen wurmt es mich auch gewaltig. Etwa die Tatsache,
    dass im Wohnzimmer immer noch ätzlangweiligemainstreamige IKEA-Bilder hängen.
    Und warum? Weil ich mir in den Kopf gesetzt habe, das Bild fürs Wohnzimmer SELBST zu malen.
    Aber: Es hängen zumindest mal Bilder. Und irgendwann wird es schon klappen mit dem selbst gemalten Kunstwerk…

    Liebe Grüße schick ich Dir, meine liebe Perfektionsschwester!
    Übrigens: Ich hab mir Wunderlist runtergeladen – und ich liebe es jetzt schon!
    Kann man nach dem PING süchtig werden, wenn man einen Haken gemacht hat? ;-))))

    Katja

  • Reply Die Rabenfrau 22. Oktober 2015 at 23:04

    Dein erstes Bild mit dem „ich lass das jetzt so“ ist sooo richtig. Aber es fällt mir auch so schwer, mich mit 80% zufrieden zu geben. Dabei sind 80% doch eine Menge mehr als 0%, die man erreicht, wenn man gar nicht erst anfängt. Ich las einmal von einer Künstlerin, die in jedes ihrer Bilder mit Absicht einen Fehler hinein bringt. Vielleicht sollte man sich eine Scheibe davon abschneiden…
    Grüßle
    ursel

  • Reply Netzfundstücke #001 » Mein Senf für die Welt 29. Oktober 2015 at 0:06

    […] Wochen später stellte sich Andrea auf Miss Konfetti dann die Frage: „Wie werd ich eigentlich diesen Perfektionismus los?“. Diese Rechnung von wegen mit 20% zu 80% kommen und so – nein ich erkläre das jetzt nicht […]

  • Reply Sunray 2. November 2015 at 15:12

    Definitiv auch eine Baustelle von mir, seit deinem Beitrag, den ich schon deutlich vor diesem Kommentar jetzt gelesen habe, rufe ich mir aber immer wieder 80/20 oder 20/80 ins Gedächtnis. Das bremst mich ganz gut, im positiven Sinne. 🙂
    Ich hoffe, bei dir klappt es auch?
    LG, Sunray

  • Reply Advent, Advent, die Bude brennt? – 1. Hilfe bei Weihnachtsstress – The organized Cardigan 13. Juli 2016 at 18:30

    […] und verschenkbaren DIY Ideen. Und wenn gar nichts mehr hilft, hilft auf jeden Fall „Wie werd ich eigentlich diesen Perfektionismus los?„. […]

  • Yeah, ein Kommentar. Ich freu mich.