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5 Tipps gegen Prokrastination – können die wirklich was?

21. September 2015
Tipps gegen Prokrastination - nie mehr aufschieben

Beim Prokrastinieren (aufschieben von Dingen) macht mir so schnell keiner was vor. Da bin ich Experte, ehrlich jetzt. Als ich für diesen Beitrag hier die Fotos gemacht habe, wollte ich auch ein Handy mit einem Spiel fotografieren, das man gerne spielt, wenn man eigentlich wichtige Dinge zu erledigen hätte. Tja, was soll ich sagen. Extra dafür hab ich mir Soda Crush runtergeladen und bin da erstmal schön drauf hängen geblieben. Mittlerweile bin ich bei Level 115 und es hat mir bei vielen unbeliebten Aufgaben als sehr gutes Prokrastinationswerkzeug gedient. Weil ich mir momentan aber wirklich keine Aufschieberei leisten kann, hab ich mir ein paar Tipps dagegen zusammengesucht und mal getestet.

1. Aufgaben in kleine Schritte unterteilen

Wenn ich auf meiner To Do Liste so was stehen hab wie „Dachboden entrümpeln“, dann weiß ich, dass ich damit garantiert nicht anfangen werde. Das ist ein schwarzes Loch und der Optimalzustand scheint unerreichbar. Deswegen unterteile ich meine Aufgaben alle in Minischritte. „Sperrmüll rausstellen“ ist jetzt auch noch nicht meine Lieblingsbeschäftigung, aber durchaus machbar und man hat relativ schnell ein Erfolgserlebnis.

Meine Bewertung: Top, kleine doofe Aufgaben sind auf jeden Fall besser als große doofe Aufgaben.

2. Zeitfenster festlegen / Timer stellen

Hatte ich ja schon beim Thema Zeitmanagement erwähnt, das ist echt einer meiner Lieblingstipps. Wenn sich eine Aufgabe nicht in noch kleinere Teile zerlegen lässt, dann unterteile ich sie eben zeitlich. Eine halbe Stunde ein Regal auf dem Dachboden entrümpeln ist auf jeden Fall besser als gar nicht. Und oft ist man nach der halben Stunde dann so motiviert, dass man noch 15 Minuten dran hängt und dann fertig ist. Außerdem schafft man in knapp gesetzten Zeiten oft wesentlich mehr, als man vorher dachte. Man kann durchaus auch fünf Stunden ein Bad putzen (eine Zahnbürste und Fugen spielen dabei oft eine große Rolle ;-)). Man kann aber auch sagen, ich putz jetzt in 30 Minuten das Bad und danach ist es in den meisten Fällen auch sauber genug (jedenfalls für Leute, deren Lebensglück nicht von hochglanzpolierten Fliesen abhängt).

Meine Bewertung: Ganz großes Top, dieser Tipp rettet mich gerade durch so manchen Tag.

Tipps gegen Prokrastination - mit kleinen Schritten gegen das Aufschieben

3. Belohnung/Bestrafung

Ich hab schon oft gelesen, dass man sich nach der Erledigung unliebsamer Aufgaben belohnen soll. Oder im Fall, dass man es nicht erledigt hat, eine Bestrafung hilft. Bei mir funktioniert das nicht. Wenn ich Lust hab, mich mit nem guten Buch in die Badewanne zu legen, dann mach ich das. Und zwar auch, wenn ich die Steuererklärung noch nicht fertig habe. Ist doch eh schon doof, dass ich damit nicht fertig geworden bin, mich dafür noch zu bestrafen, macht die Sache nicht besser. Und auch die Aussicht auf Belohnung oder Bestrafung führt bei mir absolut nicht dazu, dass ich die Steuererklärung fertig bekomme. Vielleicht, weil ich mir selbst gegenüber einfach nicht konsequent genug bin? Wenn ich mir selbst Hausarrest verpassen würde, würde ich mich einfach wie früher aus dem Haus schleichen.

Meine Bewertung: Bei Leuten, die als Kind solche Erziehungsmaßnahmen schon immer bekämpft haben, nicht hilfreich.

4. Für 5 Minuten anfangen

Auch so ein oft gelesener Tipp, wenn es um Prokrastination geht. Man soll für 5 Minuten mit einer nicht gern gemachten Aufgabe anfangen. Danach sei man im Flow und würde automatisch einfach weiter machen. Ist ja ein bisschen so wie mit dem Zeitfenster, aber ich finde, dass hier zu offensichtlich ist, dass man sich selbst verarschen soll. Wenn mir vorher schon klar ist, dass ich mir diese 5 Minuten Frist nur setze, um überhaupt anzufangen, dann wirkt es nicht mehr – bei mir jedenfalls. Generell halte ich die Methode „hauptsache, mal anfangen“ für durchaus sinnvoll, aber diese 5 Minuten finde ich doof. Dann lieber eine halbe Stunde. In dieser Zeit kann man wirklich was schaffen und auch dann ist man häufig im Flow und macht weiter.

Meine Bewertung: Bedingt wirkungsvoll. Ich empfehle stattdessen realistische, knappe Zeitfenster für einzelne Aufgaben zu bestimmen.

Tipps gegen Prokrastination, Handy aus

5. Prokrastinations Fallen vermeiden

Es gibt da – gerade im digitalen Bereich – eine Menge Stolpersteine, die aufschiebende Menschen besser vermeiden sollten. Dazu gehören ganz klar alle Spiele, besonders die mit Suchtfaktor. Aber auch Facebook, Instagram, Pinterest eignen sich hervorragend, um zu prokrastinieren. Mein Tipp: wenn die Zeit knapp ist und wichtige Aufgaben erledigt werden sollten, diese Fallen auf jeden Fall vermeiden. Am besten komplett. Zumindest aber die Zeit streng limitieren. Bei mir funktioniert „ganz aus“ besser als „nur 10 Minuten“. Und nebenbei, so ein paar Stunden ohne ständige Plings und leuchtende LEDs sind wirklich entspannend.

Meine Bewertung: Unbedingt! Wer hier ein Problem hat, wird vielleicht gar nicht bis zu den anderen Tipps kommen.

Habt ihr noch weitere Tipps gegen Prokrastination? Was hilft bei euch am besten? Oder gehört ihr zu den Leuten, die selten aufschieben und einfach machen? Erzählt doch mal.

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14 tolle Kommentare

  • Reply Silvia 21. September 2015 at 8:51

    Lade mir jetzt erst mal SodaCrush runter…
    Im Ernst: in letzter Zeit schiebe ich auch alles mögliche auf, manches sogar über Jahre.
    Nur bisher hatte ich keinen Namen dafür. Jetzt kenne ich die Diagnose und freue mich schon darauf, wenn mein Mann sagt: Hast du endlich… Dann kann ich antworten, nein. Ich kann aber nichts dafür ich leide unter Prokrastination.
    Aber danke für die Tipps, ich werde versuchen einige davon anzuwenden. Mal sehen wie lange ich das aufschiebe…

    • Reply Andrea 26. September 2015 at 11:33

      Das Umfeld hat leider meistens gar nicht so viel Verständnis für diese Diagnose 😉

  • Reply Moni 21. September 2015 at 9:17

    Guten Morgen Andrea :),

    tolle Tipps die du da hast. Und während ich die gelesen habe, trinke ich gemütlich meinen Kaffee und drück mich vor dem Unikram und vor dem Haushalt :D.
    Das mit dem belohnen klappt bei mir teilweise schon. Ich setz mir immer eine bestimmte Frist und wenn ich das dann geschafft habe (z.B. nochmal 20 Seiten Skript gelesen), dann belohne ich mich mit 15 Minuten Instagram oder Pinterest oder Bloglovin oder Facebook. Klappt meistens sehr gut.
    Da ich für die Uni generell am Laptop arbeite, ist das mit der digitalen Ablenkung bei mir nämlich ein großes Problem. Wenn ich allerdings nach ein paar Stunden merke, dass ich viel zu wenig geschafft habe, motiviert mich das erst recht wieder und ich möchte es mir unbedingt beweisen.
    Was bei mir auch hilft, ist mich mit anderen vergleichen. Ich weiß, sollte man eigentlich nicht – jede und jeder von uns ist anders und lernt und arbeitet anders….. Aber wenn ich seh, dass mein Nebensitzer in der Bibliothek viel konzentrierter arbeitet als ich und viel mehr hinbekommt, dann arbeite ich prinzipiell auch sehr gut.
    So. Und jetzt fang ich wirklich an mit der Arbeit 😀
    Hab eine schöne Woche

    • Reply Andrea 26. September 2015 at 11:37

      Toll, dass du Strategien hast, die funktionieren. Dann kann man ruhig auch erstmal gemütlich nen Kaffee trinken und dann starten 😉

  • Reply Kirsten 21. September 2015 at 9:55

    Vielleicht sollten wir eine Selbsthilfegruppe gründen 😉 Aufschieben kann ich leider auch sehr gut. Das Einteilen von Aufgaben würde bei mir nicht klappen. Wenn schon, dann komplett und wenn ich erstmal angefangen habe gehts auch. Belohnung und Bestrafung funktioniert ebenfalls nicht, schon eher Zeitdruck und manchmal auch das Kopfkino. Wenn ich mir ausmale, wie es wäre, etwas erledigt zu haben und dann ohne schlechtes Gewissen etwas Schönes machen zu können, ist oft hilfreich.
    Liebe Grüße, Kirsten

    • Reply Andrea 26. September 2015 at 11:40

      Selbsthilfegruppe klingt gut 😉 Beim Einteilen kommt es bei mir drauf an, was es für Aufgaben sind. Mit der Steuererklärung will ich auch nicht 3x anfangen. Aber Aufgaben, die an einem Tag nicht machbar sind, unterteile ich lieber, als dass ich sie gar nicht mache. Meistens 😉

  • Reply Nathalie 21. September 2015 at 11:26

    Hi

    zu Tipp No. 5 noch: es gibt programme und add-ons für den internet browser, die seiten wie facebook u. co, für den zeitraum, den du vorgibst komplett blocken. vor allem cold turkey kann ich da nur empfehlen, gibts konstenlos im internet und ist sehr, sehr effektiv.
    lg nathalie

    • Reply Andrea 26. September 2015 at 11:43

      Danke für den Tipp. Ich hatte so was ähnliches schon mal ausprobiert, aber das ist bei mir wie mit der Bestrafung. Ich schalt das Ding dann einfach wieder aus, wenn es mir grad nicht in den Kram passt.

  • Reply Bonner Linktipps am Dienstag: Prokrastinierte Fehlleistungen und eine Schubkarre für Kinder | Bundesstadt.com 22. September 2015 at 13:58

    […] Pro­kras­ti­na­tion ist ja so 2006. Hm? Was? Nicht? Nun, dann hel­fen bestimmt Andreas fünf Tipps gegen die Auf­schie­be­ri­tis weiter. […]

  • Reply Sandra 23. September 2015 at 20:52

    Ich habe kürzlich eine Artikelserie dazu empfohlen bekommen: http://www.web-fortbildung.de/wiki/index.php/Zeitratgeber_-_Einleitung . Ich fand’s zwar etwas zu theoretisch, aber es waren auch ein paar gute Ideen dabei, die ich nochmal ausprobieren wollte. Wobei „nochmal ausprobieren wollen“ irgendwie auch schon wieder recht prokrastinativ ausgedrückt ist…

    • Reply Andrea 26. September 2015 at 11:43

      Danke für den Tipp. Werde ich mal reinschauen 🙂

  • Reply Danny 24. September 2015 at 12:51

    Toller Artikel, danke dir.
    Ich hab im Moment generell das Problem, dass ich mich nicht gut aufraffen und dran bleiben kann. Vielleicht hilft mir ja der ein oder andere Tipp.
    Ich muss mir immer wieder sagen: fang halt einfach mal an. Schlecht begonnen ist besser als gut gezögert 🙂

    Liebe Grüße
    Danny

    • Reply Andrea 26. September 2015 at 11:45

      Das ist ein super Satz, ich sag mir öfter: Done is better than perfect. Muss es nur noch verinnerlichen 😉

  • Reply Anita 8. Januar 2016 at 23:45

    Liebe Andrea, ich schiebe ja auch gerne Dinge vor mir her. Am liebsten das Aufräumen 🙂 Ich habe gerade einen Blogbeitrag darüber geschrieben und witzigerweise ganz ähnliche Tipps wie du im aktuellen Fokus gefunden. Auf meinem Blog Rosanisiert http://www.rosanisiert.de schreibe ich über das Thema Ordnung für Unordentliche und mein Leben als Anonyme Chaotin. Viele Grüße Anita

  • Yeah, ein Kommentar. Ich freu mich.