ÜBER DEN TELLERRAND

Mein Leben ist auf einmal anders – und das ist gut so

29. November 2015
Adventskranz 2015

“Andrea, spielen?” schallt es mir schon von weitem entgegen, als ich die Kids aus unserem Flüchtlingsheim zum Weihnachtsbaum schmücken abhole. “Spielen” heißt in dem Fall nicht unbedingt wirklich spielen, sondern “gehts jetzt los? (egal was und wohin, ich bin dabei)”. “Ja”, sage ich und alle flitzen los, um ihre Jacken zu holen. Bis auf Karam. “Nicht kalt” sagt er, und gibt mir zum Beweis seine Hand. Sie ist eiskalt. Die anschließende Diskussion läuft wie immer. Ich rede mir den Mund fusselig. Er versteht mich nicht und kommt ohne Jacke mit. Ich denke mir, dass es wohl seinen Sinn hat, dass ich keinen eigenen Nachwuchs in die Welt setze.

Bis endlich auch alle anderen angezogen oder überhaupt mal wach sind, ist locker ne Stunde vergangen. Nougin hat inzwischen endlich das lang ersehnte Fahrrad erhalten und fragt mich, ob sie es zum Schmücken mitnehmen darf. Ich sage ja. Nicht meine beste Idee. Statt nun 15 Kinder davon abzuhalten, sich vom Auto anfahren zu lassen, müssen wir jetzt leider auch noch einer 8-jährigen helfen, das neue Fahrrad gegen die kleinen Brüder zu verteidigen und sie davon abhalten, selbige unter lautem Klingeln umzufahren. Gut, dass genug Helfer dabei sind. Das Schmücken verläuft relativ unspektakulär und als wir wieder alle nach Hause gebracht haben und ich mich bei einer der Familien mit einer Tasse Tee aufwärme, denke ich wieder, wie richtig das hier alles ist. Auch wenn es mich oft die letzten Nerven kostet.

Adventskranz 2015

70 Flüchtlinge in unserem Stadtteil haben mein Leben auf den Kopf gestellt. Heute ist der erste Advent und obwohl ich diesen Tag ausnahmsweise ganz ohne meine neuen Freunde mit Weihnachtsdeko und Lebkuchen backen verbracht habe, merke ich, dieses Jahr ist anders. Alles hat sich verändert, ich hab mich verändert und das ist richtig gut so.

Seit September bin ich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe aktiv und seitdem habe ich fast mehr Zeit in der Flüchtlingsunterkunft verbracht, als zu Hause. Was anfing mit “ich könnte ja auch ein bisschen helfen” endete relativ schnell in “ich bin jetzt eine von zwei Hauptkoordinatorinnen für den Laden und 100% im Einsatz”. Das war keine bewusste Entscheidung, es hat sich so ergeben. Und plötzlich bist du mittendrin, koordinierst Spenden, Sprachvermittlung und findest dich auf irgendwelchen Meetings mit wichtigen Behördenleitern wieder. Ich bin an meine Grenzen gestoßen – in mehrfacher Hinsicht.  Der “normale” Job will ja auch noch gemacht werden, die Masterarbeit liegt in den letzten Zügen und der Mann soll am besten auch nicht zu kurz kommen. Aber es hat mich auch psychisch mitgenommen. Meine neuen Freunde haben Schicksale erlebt, wie ich sie mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht hätte vorstellen können. Und dann lieg ich abends im Bett, kann nicht schlafen und wünsch mir aus einem Impuls heraus, dass ich nie damit angefangen hätte. Um im nächsten Moment sicher zu sein, dass es die beste Entscheidung überhaupt war und Aufhören auf keinen Fall in Frage kommt. Diese wunderbaren Menschen, die manchmal auch echt nervig und doof sein können, gehören jetzt irgendwie zu meinem Leben dazu.

Heute ist der erste Advent und mehr als in allen Jahren zuvor, bin ich mir bewusst, wie gut es mir und meinen Lieben geht. Und ich sehe es nicht mehr als selbstverständlich an, dieses priviligierte Leben zu führen. Wir haben verdammtes Glück, dass wir in Frieden leben können. Mit einem Dach über dem Kopf und genug zu essen. Eins meiner größten Probleme der letzten Tage war die Frage, welche Farbe mein Adventskranz dieses Jahr haben soll. Und ob ich meine Lebkuchen mit Zitronen- oder Schokoladenglasur verzieren soll. Wir haben es so gut und wissen es oftmals gar nicht.

Adventskranz 2015

Ich wünsche euch allen eine schöne Adventszeit. Verbringt so viel Zeit wie möglich mit den Menschen, die euch wichtig sind. Und lasst euch von niemandem ärgern.

Liebste Grüße Andrea

ORGANISIEREN

Bullet Journal – minimalistische Planung

9. November 2015
Bullet Journal

Ich bin nach wie vor begeistert von meiner Planung mit Wunderlist, aber für manche Bereiche bevorzuge ich immer noch die Papierplanung. Vor allem auf der Arbeit sollen keine Daten in irgendeiner Cloud oder auf einem fremden Server rumliegen. Da hat sich bei mir ein Bullet Journal bewährt. Im Gegensatz zur kreativen Gestaltung im Filofax ist dieser Planer eher was für Minimalisten und genau das ist in meinen Augen der größte Vorteil davon.

Bullet Journal

Hier kannst du dich auch über Bullet Journaling informieren, aber da die meisten Informationen im Netz dazu auf englisch sind, zeige ich heute auch noch mal im Detail, was es damit auf sich hat. Dafür habe ich mal ein paar Beispielseiten erstellt. Man benötigt für diese Art der Planung ein leeres Buch oder ein Heft und einen Stift. Sonst nix.

Aufbau Bullet Journal

Das System vom Bullet Journal ist eigentlich echt simpel. Es gibt keine Kategorien oder bestimmte Seiten für bestimmte Themen, es kommt alles hintereinander in dieses Büchlein. Und zwar wirklich alles: Termine, Aufgaben, Notizen und ganze Sammlungen.

Monatsübersicht

Am Anfang steht die Monatsübersicht. Auf einer linken Seite werden einfach die Monatstage links untereinander geschrieben und rechts daneben kommen Termine. Auf der rechten Seite schreibt man alle Aufgaben, die für den ganzen Monat anstehen. Ein leeres Quadrat vor einem To Do markiert den Punkt als Aufgabe. Ist die Aufgabe erledigt, Häkchen rein, fertig.

Bullet Journal

Wichtig ist auch, dass unten auf jeder Seite die Seitenzahl notiert wird, dazu komme ich gleich noch genauer.

Jetzt gibt es verschiedene Möglichkeiten, weiter zu machen, ganz nach den eigenen Bedürfnissen. Auf der Arbeit nutze ich ein Bullet Journal für alle Termine und ich fertige für jedes einzelne Projekt eine Sammlung an. Auch dazu komme ich gleich noch. Für ein privates Bullet Journal gibt es die Möglichkeit der Tages- oder der Wochenplanung.

Wochen- und Tagesplanung

So könnte zum Beispiel eine Tagesplanung aussehen, es wird einfach alles, was zu einem Tag gehört, auf eine Seite geschrieben:

Bullet Journal

Folgende Symbole helfen bei der Übersichtlichkeit:

  • Ein leeres Kästchen kennzeichnet eine Aufgabe
  • Ein leerer Kreis kennzeichnet einen Termin
  • Ein gefüllter Punkt kennzeichnet eine Notiz
  • Ein Ausrufezeichen markiert eine Notiz als wichtig
  • Ein Stern markiert eine Aufgabe oder einen Termin als wichtig
  • Ein Pfeil hinter einem Eintrag markiert ihn als verschoben

So… jetzt kann man also relativ übersichtlich alles sehen, was an dem Tag oder in der Woche ansteht. Die verschiedenen Icons helfen bei der Übersichtlichkeit. Wenn jetzt der Tag oder die Woche vorbei ist, schaut man, welche Einträge erledigt sind. Ich streiche sie dann gerne ganz durch. Was noch nicht erledigt ist, bekommt einen Pfeil hinter den Eintrag und der Punkt wird in die nächste Woche oder auf den nächsten Tag verschoben. So gehen keine Termine verloren und man bleibt immer up to date.

Index

Hier kommen jetzt auch die Seitenzahlen ins Spiel. Damit man sich trotz diesem Mischmasch an Informationen noch zurecht findest, gibt es ganz am Anfang des Buches den Index. Da notiert man alle Überschriften und die entsprechenden Seitenzahlen dahinter.

Bullet Journal

Sammlungen

Soweit alles recht unspektakulär – auch wenn ich es echt genial einfach und effizient finde. Besonders toll finde ich aber die Sammlungen, die man an jeder Stelle, zu jedem Thema hinzufügen kann. Einfach auf der nächsten freien Seite Überschrift drüber und alles was dazu gehört, darunter notieren. Im Index vermerken und fertig.

Bullet Journal

Ich habe hier mal beispielhaft eine Sammlung erstellt zum Thema “Wohnung verschönern”. Alles, was ich demnächst mal in der Wohnung angehen will, wird dort notiert und nach Erledigung abgehakt. Eine andere Sammlung sind alle Aufgaben, die im Zusammenhang mit meiner Masterarbeit stehen. Hier kann man aber wirklich alles notieren, was irgendwie Sinn macht. Bücher, die ihr mal lesen wollt, Adressen, Geburtstagsübersichten, Verleihlisten, Ideen für Blogartikel etc.

Wie gesagt, auf der Arbeit nutze ich neben einem Monatsplan nur Sammlungen, für jedes Projekt eine. So habe ich eine große Anzahl an Aufgaben wirklich übersichtlich auf relativ kleinem Platz zusammen und weiß genau, was wo noch zu tun ist. Feste Termine notiere ich daneben noch im Monatsplan.

Ich muss sagen, nachdem ich diese Art der Planung jetzt fast ein Jahr lang getestet habe, bin ich immer noch sehr überzeugt davon. Sie beschränkt sich aufs nötigste und ist trotzdem flexibel und extrem effizient.

Aber jetzt genug geplant für heute, jetzt gehts ans Erledigen des Geplanten. Das muss man nämlich trotz Superliste immer noch selbst machen ;-)

Liebste Grüße Andrea

ORGANISIEREN

Blog Planung mit Wunderlist

2. November 2015
Blog-Planung mit Wunderlist

Vor einiger Zeit hatte ich euch von Wunderlist vorgeschwärmt. Damit plane ich momentan einfach alles und ich bin nach wie vor begeistert von diesem übersichtlichen und einfachen Tool, das dennoch alles hat, was ich brauche. Sogar meine Blog Planung mache ich momentan damit und auch das funktioniert erstaunlich gut und einfach.

Blog Ideen sammeln

Für alle unterschiedlichen Themen meines Blogs habe ich mir je eine Liste angelegt. In diesen Listen sammel ich alle Ideen für neue Blogeinträge. Selbst unterwegs kann ich mir mit dem Handy schnell das neue Thema notieren. Mehr brauchts für den Anfang nicht und ich vergesse keine gute Idee mehr.

Ordner für Blogideen Wunderlist

Blog Planung

Wenn es dann konkret an die Blog Planung geht, schiebe ich einfach die Beiträge, die ich in der nächsten Zeit veröffentlichen möchte, in die Liste “Blog-Planung” und versehe die Beiträge mit dem Datum, an dem ich sie veröffentlichen möchte. Wenn ich mir die Liste nach Datum sortiert anzeigen lasse, sehe ich so genau, welche Themen in nächster Zeit dran kommen.

Blogplanung in Wunderlist

Detailplanung

Manchmal ist das schon alles, was ich mache, aber manche Blog-Beiträge bekommen etwas mehr Vorbereitung. Vor allem, wenn ich sonst riskiere, dass ich gar nicht mehr weiß, was ich zu dem Thema überhaupt schreiben wollte. Deswegen füge ich bei einigen Beiträgen Notizen hinzu, so dass ich nichts mehr vergesse. Auch mit Teilaufgaben arbeite ich oft. Bilder produziere ich oft blöckeweise am Wochenende bei Tageslicht. Durch die Teilaufgaben weiß ich jederzeit, welche Bilder ich schon gemacht bzw. bearbeitet habe und welche noch fehlen.

Besonders praktisch für die Blog Planung ist die Möglichkeit, einzelne Aufgaben und ganze Listen zu kopieren (das geht jedenfalls in der Webversion von Wunderlist). Ich habe mir einmal einige Teilaufgaben überlegt, die ich bei Blogbeiträgen hinzufügen möchte. Dann kopiere ich diesen Eintrag und ändere lediglich Titel und Datum – und ggf. noch die Notizen, wenn ich welche benötige.

Blog Detailplanung in Wunderlist

Ein großer Vorteil von digitaler Blogplanung ist natürlich die Flexibilität. Wenn ich einen Beitrag umplanen möchte, muss ich einfach nur das Datum ändern. Beiträge, die ich dann doch erstmal nicht schreiben will, schiebe ich einfach zurück auf die entsprechende Ideen-Liste. Gerade diese Umplanerei hat mich bei der Papierplanung immer vor große Probleme gestellt. Mit der Blog Planung auf Magnetwand konnte ich das Problem zwar ganz gut lösen, aber so wirklich praktisch war das irgendwie auch nicht.

Wer auch weiterhin lieber auf Papier planen möchte, kann sich hier meinen Blogplaner runterladen: Teil 1 & Teil 2.

Wer es auch lieber mal mit digitaler Planung versuchen möchte, findet hier die verschiedenen Versionen von Wunderlist:

Für PC

Für Android

Für iPhone

Wie plant ihr eure Blogposts? Plant ihr überhaupt? Oder schreibt ihr einfach spontan, worauf ihr gerade Lust habt?

Liebste Grüße Andrea